Markus Osterhaus | 0541 4401 3803 | Psychologische Beratung | Psychotherapie nach dem Heilpraktikergesetz

Beim Sex geht es um Verbindung

Beim Sex geht es um Verbindung. Nicht nur um die Verbindung zwischen zwei Menschen, sondern auch um die Verbindung zu uns selbst: zu unserem Körper, unseren Bedürfnissen, unserer Lebendigkeit und zu dem, was wir als stimmig und authentisch erleben.

Sexualität ist deshalb weit mehr als das, was hinter geschlossenen Schlafzimmertüren geschieht. Sie berührt die Art, wie wir uns selbst wahrnehmen, wie wir anderen begegnen und wie wir Beziehung gestalten.

Verbindung beginnt bei uns selbst

Wenn wir Sexualität nicht nur als körperliches Geschehen verstehen, sondern als Teil unserer Persönlichkeit, verändert sich auch die Frage danach, was „richtig“ oder „normal“ ist.

Dann geht es weniger darum, gesellschaftlichen Vorstellungen oder übernommenen Regeln zu entsprechen. Wichtiger wird die Frage:

Was entspricht mir – und was tut mir und meinen Beziehungen tatsächlich gut?

Sexuelle Selbstbestimmung bedeutet dabei nicht Grenzenlosigkeit. Im Gegenteil. Sie setzt voraus, die eigenen Wünsche, Bedürfnisse und Grenzen wahrzunehmen und zugleich die des Gegenübers zu respektieren.

Erst wenn ich mich selbst wahrnehme, kann ich mich auch wirklich auf einen anderen Menschen einlassen.

Nicht die Beziehungsform entscheidet

Menschen leben Sexualität und Beziehung sehr unterschiedlich.

Für manche bedeutet eine monogame Partnerschaft Sicherheit, Nähe und Verbindlichkeit. Andere entscheiden sich für offenere Beziehungsformen oder Polyamorie. Wieder andere erleben Phasen bewusster sexueller Enthaltsamkeit oder Formen von Freundschaft, in denen auch Sexualität ihren Platz findet.

Keine dieser Formen führt automatisch zu einer erfüllten Sexualität oder Beziehung.

Entscheidend ist weniger, wie eine Beziehung von außen aussieht, sondern ob sie für die beteiligten Menschen von innen stimmig ist.

Dazu gehören bewusste Entscheidungen, gegenseitiger Respekt, Einvernehmlichkeit und die Bereitschaft, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen.

Mehr Freiheit bedeutet deshalb nicht automatisch mehr Erfüllung. Aber auch das Festhalten an einer gesellschaftlich vertrauten Beziehungsform garantiert noch keine Nähe oder Zufriedenheit.

Wünsche und Fantasien sind noch kein Verrat

Besonders deutlich wird das beim Umgang mit sexuellen Wünschen und Fantasien.

Noch immer existiert die Vorstellung, bereits die sexuelle Anziehung zu einem anderen Menschen oder eine Fantasie könne eine bestehende Partnerschaft infrage stellen.

Doch menschliches Begehren lässt sich nicht vollständig durch eine Beziehungsvereinbarung abschalten.

Entscheidend ist, wie wir damit umgehen.

Eine Fantasie ist zunächst eine Fantasie. Ein Wunsch ist noch keine Handlung. Und die Wahrnehmung eines anderen Menschen bedeutet nicht automatisch, dass die eigene Beziehung bedeutungslos geworden ist.

Problematisch wird es häufig dort, wo über diese inneren Bewegungen nicht gesprochen werden kann, wo Scham, Angst oder Misstrauen entstehen oder wo Wünsche heimlich gelebt werden und bestehende Vereinbarungen verletzt werden.

Eine tragfähige Beziehung muss deshalb nicht jede Fantasie verwirklichen. Sie sollte aber genügend Raum bieten, damit Menschen sich selbst nicht verleugnen müssen.

Bewusstheit statt Kontrolle

Sexualität besitzt eine große Kraft. Gerade deshalb versuchen Menschen und Gesellschaften seit jeher, sie durch Regeln, Moralvorstellungen und Verbote zu kontrollieren.

Doch eine lebendige und verantwortungsvolle Sexualität entsteht nicht allein durch Kontrolle.

Sie braucht Bewusstheit. Wissen. Akzeptanz. Integrität. Respekt – und nicht zuletzt Freude.

Es geht darum, die eigene Sexualität kennenzulernen und einen Umgang mit ihr zu entwickeln, der sowohl die eigene Autonomie als auch die Grenzen und Bedürfnisse anderer Menschen achtet.

Das ist für mich ein wesentlicher Bestandteil einer sexpositiven Haltung.

Sexualität als Verbindung

Sexualität kann Lust und körperliche Nähe bedeuten. Sie kann aber noch viel mehr sein.

Sie kann uns mit unserer Lebendigkeit verbinden, mit unserem Körper und unseren Gefühlen. Sie kann Nähe zwischen Menschen entstehen lassen und zugleich zeigen, wo wir uns selbst verloren haben oder eigene Bedürfnisse zu lange zurückgestellt haben.

Vielleicht liegt gerade darin ihre besondere Bedeutung:

Erfüllende Sexualität beginnt nicht damit, einer bestimmten Vorstellung zu entsprechen. Sie beginnt damit, sich selbst wahrzunehmen – und aus dieser Verbindung heraus einem anderen Menschen wirklich begegnen zu können.

In meiner Paar- und Sexualberatung begleite ich Einzelpersonen und Paare dabei, eigene Wünsche und Bedürfnisse besser zu verstehen, Konflikte und Blockaden einzuordnen und einen individuellen Weg zu einer selbstbestimmten und erfüllenden Sexualität und Beziehung zu entwickeln.